BPW Insight
Der BPW Karlsruhe e.V. ist ein Club mit vielseitigem Engagement über den eigenen Verein hinaus. Wir arbeiten mit verschiedenen Organisationen und Institutionen in Karlsruhe an gemeinsamen Projekten, die wir auf dieser Seite vorstellen. Ein wichtiger Aspekt und unsere politische Haltung zeigen sich in unserer Geschichte während des Nationalsozialismus.
Weiterführende Informationen und Literatur gibt es beim Vorstandsteam.
Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Frauenorganisationen (AKF)
Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Frauenorganisationen (AKF) ist seit über 70 Jahren eine starke Stimme für Frauen in Karlsruhe. Gegründet im Jahr 1952 als Zusammenschluss engagierter Frauenverbände - u.a. dem BPW - in einer Zeit großer gesellschaftlicher Herausforderungen, hat sich die AKF zu einem bedeutenden Netzwerk entwickelt, das heute 32 Organisationen vereint. Ihr Ziel ist es, die Interessen von Frauen zu bündeln, sichtbar zu machen und aktiv in gesellschaftliche und politische Prozesse einzubringen. Im Vorstand des AKF vertritt derzeit Sabine Hobich unseren BPW-Club als Beisitzerin.
Von Beginn an stand die Zusammenarbeit im Mittelpunkt: Was zunächst als lockerer Austausch begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem einflussreichen Dachverband. Bereits früh setzte sich die AKF für konkrete Verbesserungen ein – etwa für soziale Absicherung, Bildungschancen oder die politische Teilhabe von Frauen. Heute ist sie fest in der Stadtgesellschaft verankert und bringt ihre Expertise unter anderem als stimmberechtigtes Mitglied im Jugendhilfeausschuss sowie beratend im Sozial- und Kulturausschuss ein.
Ein besonderer Erfolgsfaktor der AKF ist ihr starkes Netzwerk. Es verbindet Frauen aus unterschiedlichen Bereichen – von Sozialarbeit über Kultur bis hin zu Politik und Wirtschaft. Dieser Austausch schafft neue Perspektiven, fördert gegenseitige Unterstützung und ermöglicht gemeinsame Initiativen. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen zeigt sich die Bedeutung dieser Vernetzung als Motor für Engagement und Innovation.
Die Geschichte der AKF zeigt zugleich, wie eng die Entwicklung von Frauenrechten mit gesellschaftlichen Veränderungen verbunden ist. Noch in der Nachkriegszeit waren Frauen in vielen Bereichen stark eingeschränkt – heute haben sie deutlich mehr Rechte und Möglichkeiten. Dennoch bleibt Gleichstellung eine zentrale Aufgabe: Studien zeigen, dass echte Gleichberechtigung weltweit noch weit entfernt ist.
Ein Höhepunkt im Jahresprogramm ist der traditionelle Neujahrsempfang der AKF. Er bietet Raum für Austausch, Impulse und Vernetzung und spiegelt die Vielfalt sowie das Engagement der Mitgliedsorganisationen wider.
Auch nach fast 75 Jahren bleibt die Mission klar: Die AKF setzt sich weiterhin engagiert dafür ein, dass Frauen ihre Rolle in Gesellschaft, Politik und Kultur selbstbestimmt gestalten können – heute und in Zukunft.
Weitere Informationen:
Mehr als 70 Jahre Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle Karlsruhe e.V.
Die Geschichte der Lebens- und Paarberatung in Karlsruhe begann bereits 1951 – ganz unspektakulär an einem Küchentisch bei Dr. Alice Haidinger. Gemeinsam mit Dr. Lotte Paepcke und engagierten Mitstreiterinnen entstand die Idee einer Beratungsstelle für Paare in Krisen. Die Nachkriegszeit war geprägt von Heimkehrern, Trümmerfrauen und tiefen Vertrauensbrüchen – der Bedarf an Unterstützung war enorm.
Gründung und Trägerverein
Am 28. April 1953 wurde die Satzung der „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung einer Vertrauensstelle für Verlobte und Eheleute in Karlsruhe“ verabschiedet. Einen Tag später erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten die Stadt und der Landkreis Karlsruhe, die Innere Mission, das evangelische Frauenwerk, der Hausfrauenbund und der Club berufstätiger Frauen (heute Business and Professional Women – BPW). Damit übernahm BPW von Anfang an Verantwortung für die Finanzierung und die gesellschaftliche Verankerung der Beratungsarbeit.
Aktuelle Rolle von BPW Karlsruhe
Heute ist BPW Karlsruhe weiterhin aktiv im Trägerverein vertreten. Unsere Clubfrau Anke Paulick ist seit vielen Jahren Vorsitzende des Aufsichtsrats. Da sie nach der aktuellen Amtszeit das Amt nicht mehr weiterführen möchte, haben wir im vergangenen Jahr mehrere Gespräche und Kennenlerntermine zwischen verschiedenen Clubfrauen und der Beratungsstelle organisiert. Die designierte Nachfolgerin ist Jasmin Justen, die wir vom BPW Karlsruhe für das Amt offiziell vorschlagen werden.
Entwicklung und Meilensteine
1956: Erste Geschäftsführerin, Renate Schulze, und eigene Räume in der Blumenstraße.
1957: Einführung von „Verlobtenkursen“ – ein Erfolgsmodell.
1969: Umzug in die Werderstraße, später in die Nelkenstraße (bis heute Sitz der Beratungsstelle).
1993: Umbenennung in „Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatung Karlsruhe e.V.“
Heute bietet die Beratungsstelle Einzel- und Paarberatung, Gruppenangebote sowie Seminare in sechs Sprachen an. In 70 Jahren wurden rund 80.000 Menschen beraten und 213.000 Beratungsstunden geleistet. Die Themen spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen wider: von „Mussehe“ und „Mischehe“ über Emanzipation und Rollenwandel bis hin zu Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Finanzierung und Träger heute
Die katholische Kirche trägt mit 37,1 % den größten Anteil, gefolgt von evangelischen Zuschüssen (19,9 %), Kostenbeiträgen der Ratsuchenden (19,1 %), der Stadt Karlsruhe (17,5 %) und dem Landkreis (5 %). BPW Karlsruhe ist weiterhin Teil des Trägervereins und engagiert sich für die Gleichstellung und Unterstützung von Frauen in allen Lebensbereichen.
Weitere Informationen gibt es auf der Webseite: Die Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatung von Karlsruhe
BPW und ihre Vorgängerorganisation während des Nationalsozialismus
Die Wurzeln unseres Netzwerks reichen weit zurück: bereits 1930 wurde in Genf die "International Federation of Business and Professional Women" gegründet – initiiert von der US‑Juristin Lena Madesin Phillips, die berufstätigen Frauen weltweit eine gemeinsame Stimme geben wollte. In Deutschland entstand 1931 unter der Juristin Dr. Marie Munk die „Vereinigung berufstätiger Frauen“, die sich schon 1932 der internationalen BPW‑Föderation anschloss.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich alles: Unabhängige Frauenverbände wurden unter Druck gesetzt, sich gleichschalten zu lassen. Die deutsche BPW‑Vorgängerorganisation entschied sich 1933 bewusst für die Selbstauflösung, statt sich dem NS‑Regime zu unterstellen. Damit gingen die formalen Strukturen verloren – doch die Idee eines starken Netzwerks berufstätiger Frauen überdauerte in persönlichen Kontakten und individuellen Engagements.
Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau: 1951 gründete sich der Verband neu als "Deutscher Verband Berufstätiger Frauen", aus dem später BPW Germany hervorging. Von Anfang an engagierte sich der Verband politisch – für Gleichberechtigung, berufliche Chancen, Lohngleichheit und internationale Zusammenarbeit. Veranstaltungen wie die „Woche der berufstätigen Frau“ (1952) oder das erste UNO‑Seminar zur Stellung der Frau (1954) machten BPW zu einer wichtigen Stimme in der jungen Bundesrepublik.
Der BPW Club Karlsruhe, wie wir ihn heute kennen, entstand im Rahmen dieses Nachkriegs‑Neuanfangs. Auch wenn es in der NS‑Zeit keinen eigenständigen Karlsruher Club gab, stehen wir in der Tradition jener Frauen, die sich trotz widriger Umstände für berufliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe einsetzten. Unsere heutige Arbeit – von lokaler Vernetzung bis zu politischem Engagement wie dem Equal Pay Day – knüpft an diese Geschichte an und führt sie weiter.
Aufruf an unsere Mitglieder und Interessent:innen
In unserem physischen Clubarchiv befinden sich historische Dokumente, Tagebücher und Aufzeichnungen, die wertvolle Einblicke in die Entwicklung von BPW Karlsruhe geben. Wenn eine von euch Interesse an der historischen Aufarbeitung hat – oder jemanden kennt, der dies professionell tun möchte – freuen wir uns sehr über eine Nachricht an den Vorstand. Gemeinsam können wir dieses wichtige Kapitel unserer Clubgeschichte sichtbar machen und bewahren.









